Australiens führende Fahrzeugsicherheitsbehörde ANCAP plädiert für ein landesweites Verbot ausschließlich elektrischer Türgriffe in Neuwagen. Die Aufforderung folgt auf ähnliche Vorschriften in China, wo Hersteller ab 2027 verpflichtet sein werden, mechanische Notauslösungen in alle Fahrzeuge einzubauen, wobei die vollständige Durchsetzung bis 2029 erfolgen soll.
Warum das wichtig ist: Der Wandel hin zu schlanken, elektronisch betätigten Türgriffen – beliebt bei Marken wie Tesla und BYD – stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. In Notfällen könnten Insassen eingeklemmt werden, wenn die Stromversorgung des Fahrzeugs ausfällt, was sowohl ihre Flucht als auch die Rettungsbemühungen der Ersthelfer erschwert. Dabei geht es nicht nur um Elektrofahrzeuge (EVs); Auch viele neue Benzin- und Hybridmodelle übernehmen das gleiche Design.
Das Problem mit rein elektrischen Systemen
Die aktuellen australischen Designregeln (ADRs) erfordern Türöffner für den Innenbereich, gehen jedoch nicht speziell auf die Gefahr ausschließlich elektronischer Griffe ein. ANCAP-Geschäftsführerin Carla Hoorweg betont, dass es riskant sei, auf Vorschriften zu warten, da andere Länder sich bereits an die Lösung des Problems machen. „Die Besorgnis ist berechtigt; es ist ein Bereich, in dem die Regierung die Möglichkeit hat, durchzugreifen und zu verhindern, dass dies geschieht“, erklärte sie in einem Interview mit ABC Radio Melbourne.
Das Kernproblem ist einfach: Wenn ein Auto aufgrund eines Unfalls, des Untertauchens in Wasser oder eines mechanischen Defekts die Stromversorgung verliert, können Türen, die ausschließlich auf Elektrizität angewiesen sind, nicht mehr funktionieren. Rettungsdienste sind auf einen schnellen Zugriff angewiesen, und elektronische Griffe können diesen verzögern oder verhindern.
Globale Bemühungen zur Bewältigung des Risikos
Australien nimmt bereits an einer UN-Arbeitsgruppe teil, die Mechanismen zum Öffnen von Fahrzeugtüren in Notfällen bewertet. Die Gruppe war sich einig, dass Türen auch nach einem Stromausfall leicht zu öffnen sein sollten. Während die ADRs im Allgemeinen an den UN-Standards ausgerichtet sind, wird die Frage der elektronischen Griffe erst jetzt offiziell behandelt.
ANCAPs Rolle und zukünftige Protokolle
ANCAP wird voraussichtlich im Jahr 2026 in Zusammenarbeit mit Euro NCAP neue Sicherheitsprotokolle einführen. Es wird erwartet, dass diese Protokolle die Notwendigkeit mechanischer Sicherungen noch stärker hervorheben werden. Allerdings sind ANCAP-Bewertungen freiwillig, was bedeutet, dass Hersteller bei Bedarf weiterhin Fahrzeuge mit rein elektrischen Griffen verkaufen können.
Was Verbraucher tun sollten: Laut Hoorweg besteht die beste Vorgehensweise für besorgte Fahrer darin, sich an ihren Händler zu wenden und zu fragen, wie sie die Türen im Notfall manuell öffnen können. Dies ist besonders relevant, da sich der Trend zu elektrischen Griffen über Elektrofahrzeuge hinaus auch auf konventionelle Fahrzeuge ausweitet.
Der moderne Designtrend stellt ein klares Risiko dar und eine proaktive Regulierung ist unerlässlich, um die Sicherheit der Passagiere in Notsituationen zu gewährleisten.
Die Debatte über rein elektrische Türgriffe unterstreicht ein umfassenderes Spannungsverhältnis zwischen Automobilinnovationen und grundlegenden Sicherheitsstandards. Mit dem technologischen Fortschritt müssen sich die Regulierungsbehörden anpassen, um zu verhindern, dass Designentscheidungen das Wohlbefinden von Fahrern und Passagieren beeinträchtigen.
