Der chinesische Autohersteller Chery will in Großbritannien Autos bauen: Ein strategischer Wandel für Jaguar Land Rover

Ein Vertrag zwischen Jaguar Land Rover (JLR) und dem chinesischen Autohersteller Chery steht kurz vor dem Abschluss und könnte die Chery-Produktion in britische Produktionsstätten verlagern. Dieser Schritt erfolgt, da JLR in einem turbulenten Jahr nach einem großen Cyberangriff versucht, die Effizienz zu maximieren, und Chery seine Präsenz auf dem britischen Automarkt weiter ausbaut.

Kontext: Die sich entwickelnde Automobilbeziehung zwischen Großbritannien und China

Die Partnerschaft ist nicht neu. JLR und Chery gründeten 2012 Chery Jaguar Land Rover, um JLR-Modelle in China zu produzieren. Diese jüngste Entwicklung bedeutet jedoch eine Kehrtwende: die Verlagerung der chinesischen Produktion nach Großbritannien. Diese Verschiebung spiegelt umfassendere Trends in der Automobilindustrie wider, in der Hersteller versuchen, ihre Kapazitäten zu optimieren, Risiken zu reduzieren und sich an die sich ändernde globale Dynamik anzupassen.

Warum das wichtig ist: Produktion, Arbeitsplätze und Marktanteil

Cherys Wachstum in Großbritannien war schnell. Obwohl die Marke im August 2025 auf den Markt kam, verkaufte sie im vergangenen Jahr über 5.500 Fahrzeuge und übertraf damit etablierte Automobilhersteller wie Alfa Romeo, DS, Genesis und Smart. Dieses Wachstum deutet auf eine starke Verbrauchernachfrage nach chinesischen Fahrzeugen im Vereinigten Königreich hin.

Für JLR könnte der Deal dringend benötigte Einnahmen bringen und Arbeitsplätze schützen. Im Jahr 2025 erlitt das Unternehmen einen schweren Schlag, als ein Cyberangriff die Produktion für mehr als fünf Wochen lahmlegte. Die Nutzung der Produktionskapazitäten von Chery in bestehenden JLR-Einrichtungen könnte dazu beitragen, freie Kapazitäten zu füllen und die finanzielle Stabilität sicherzustellen.

Experteneinblick: Ein pragmatischer Schachzug

Laut David Bailey, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Birmingham Business School, ist der Deal ein „pragmatischer Versuch, Risiken zu managen, die Nutzung von Vermögenswerten zu verbessern und die industrielle Leistungsfähigkeit in einer Zeit des Strukturwandels aufrechtzuerhalten“. Er weist auch darauf hin, dass Cherys wachsende Markenbekanntheit in Großbritannien die lokale Produktion zu einem logischen Schritt macht.

Das große Ganze: Geopolitik und Automobilstrategie

Diese Vereinbarung kommt anlässlich eines Besuchs des britischen Premierministers Keir Starmer in Peking zustande, um die Handelsbeziehungen zu stärken. Die Automobilindustrie ist ein wichtiger Teil dieser Diskussionen und verdeutlicht die zunehmende gegenseitige Abhängigkeit zwischen den beiden Nationen. Während die geopolitischen Spannungen möglicherweise anhalten, treiben wirtschaftliche Realitäten die Zusammenarbeit voran.

Die offizielle Bestätigung des Deals durch JLR steht noch aus, Chery UK lehnte jedoch zum Zeitpunkt der Berichterstattung eine Stellungnahme ab. Unabhängig davon wird dieser Schritt die britische Automobillandschaft umgestalten und Chinas Einfluss auf einen wichtigen europäischen Markt stärken.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Cherys potenzielle Expansion in die Produktion im Vereinigten Königreich stellt einen strategischen Schritt beider Unternehmen dar: die Steigerung der Kapazität von JLR und die Festigung von Cherys Stellung in einem wettbewerbsintensiven Markt. Zu den langfristigen Auswirkungen gehören die weitere Integration der chinesischen Fertigung in die britische Wirtschaft und eine Neubewertung der traditionellen Automobillieferketten.